Interview mit Frau Bonzi

Tag Frau Bonzi, können Sie sich bitte unseren Lesern vorstellen?

Guten Tag liebe Schwester, mein Name ist Frau Bonzi, geboren Bicaba Blandine. Ich bin seit dem 31. Dezember 2000 in Rente, nachdem ich als Lehrerin gearbeitet habe. Ich bin verheiratet und habe fünf Kinder.

Danke sehr. Sie waren in vielen unterschiedlichen Städten und Dörfern Ihres Landes Burkina Faso tätig und haben zahlreiche Kinder und Jugendliche zu sich aufgenommen. Was hat Sie zu dieser Wohltätigkeit bewogen?

Ich selbst stamme aus einem kleinen abgelegenen Dorf und musste viel kämpfen um das zu werden, was ich heute bin. Und es hat mich empört, sowohl in meiner Familie als auch bei meinen Schwiegereltern zu sehen, dass viele Kinder zu Hause blieben, weil es keine Betreuung gab, damit sie in anderen Dörfern weiter zur Schule gehen konnten. Also begann ich zuerst Kinder meiner Verwandten, dann die meiner Schwiegereltern zu betreuen. Als die leiblichen Eltern sahen, wie ihre Kinder verändert und mit Schuluniformen zurückkamen, wurden sie ermutigt, sie zur Schule gehen zu lassen. Aber es gab wenige Schulen und diese lagen manchmal 30 km vom Dorf entfernt. Aus diesem Grund baten mich einige Leute im Dorf darum, ihre Kinder zu betreuen, damit diese in die Schule gehen konnten. Und so musste ich viele Kinder unter meinem Dach aufnehmen.

Wie viele Kinder haben Sie seitdem zu sich aufgenommen?

Um die hundert und mehr, weil seit 1964 betreue ich Kinder bei mir zu Hause. Derzeit sind dreizehn Kinder bei mir.

Man merkt Ihren ausgesprochenen Mutterinstinkt. Sie sind jetzt Mutter, Tante, Großmutter, Urgroßmutter. Welche Schwierigkeiten haben Sie bei der Erziehung dieser Kinder?

Ich danke Gott, denn mindestens 90 % der Kinder, die ich aufgenommen habe, haben es im Leben geschafft und arbeiten unter guten Bedingungen und einige sind sogar Führungskräfte geworden. Meine Schwierigkeiten waren, dass ich anfangs niemanden hatte, der mir half, und ich musste mit dem kleinen Gehalt auskommen, das ich hatte. So begann ich mit der Landwirtschaft, um Getreide für die Ernährung anzubauen; ich sammelte auch Shea-Nüsse, die ich zu Shea-Butter für unseren Verzehr verarbeitete, und ich bereitete auch Dolo, Hirsebier, zu; das ermöglichte mir, etwas Geld zu haben, um Gewürze zu kaufen. Und so habe ich es geschafft, über die Runden zu kommen. Außerdem halfen alle Kinder bei der Arbeit auf dem Feld.

Haben Sie – außer Ihrem Hauptberuf als Lehrerin – andere Tätigkeiten geübt?

Es handelt sich hauptsächlich um die Landwirtschaft, die Verarbeitung von lokalen Produkten für die Ernährung und auch für den Verkauf. Zum Beispiel ging ich selbst in den Busch und sammelte Shea-Nüsse, um daraus Butter für den Verzehr und den Verkauf herzustellen. Meine Produkte aus der Landwirtschaft waren hauptsächlich Hirse, Erdnüsse, Mais, weißes Sorghum, Erbsen. Ab und zu erhielt ich von Eltern einen Sack Getreide für die 9 Monate, die das Schuljahr dauerte. Aber die Eltern wussten nicht, dass es Schwierigkeiten bei der Betreuung der Kinder gab. Und da ich ihnen nichts von den Schwierigkeiten erzählte, waren sie auch zufrieden. Und auch ich war glücklich, dass ich den Menschen in meiner Umgebung und einigen Familien in meiner Region helfen konnte. Denn die Kinder kamen aus unterschiedlichen Verhältnissen und manchmal hatte ich Kinder aus zehn Dörfern gleichzeitig bei mir. Und das war schwierig. Denn ich musste sicherstellen, dass mir alle zuhörten, damit ich sie problemlos zusammenbringen konnte. Am Anfang gab es oft Probleme, weil einige von ihnen aufeinander losgingen, aber das konnte ich stoppen. Und wenn die Eltern ihr Kind brachten, sagte ich ihnen immer: “In meinem Haus dulde ich keine Prügelei. Wer das nicht respektiert, schicke ich weg. Ich kümmere mich um alles andere wie Ernährung und Gesundheitsfürsorge. Aber derjenige, der nicht gehorchen will, den schicke ich weg.“ Die Eltern versuchten also, ihre Kinder in diesem Sinne zu beraten. Und selbst wenn sie mit einem streitsüchtigen Charakter kommen, werden sie nach ein paar Monaten friedvoll.

So nach dem Motto: « Bei der Kindererziehung sollte man Regeln aufstellen.“

Genau und so hatte ich meine Vorschriften und zwang alle diese zu befolgen. Und das hat mir die Arbeit erleichtert.

Wie würden Sie die Beziehung zwischen den Kindern und ihren Eltern und Ihnen selbst bezeichnen?

Wie ich anfangs sagte, fing ich zuerst an, die Kinder meiner Verwandten und die meiner Schwiegerfamilie zu betreuen. Erst später baten mich einfache Bekannte darum, mich um deren Kinder zu kümmern. Und wenn ich es konnte, tat ich das. Es gab keine Voraussetzung und ich verlangte auch nichts von ihnen. Ich versuchte mit meinen eigenen Mittel auszukommen.

Das ist eine Berufung.

Eigentlich war es mein heißester Wunsch, ein Zentrum aufzubauen, um diese Kinder dort zu betreuen. Aber meine Mittel waren sehr gering. Also habe ich sie zu mir aufgenommen.

Können Sie uns jetzt etwas über Ihre Erfolge erzählen? Haben Sie noch Kontakte mit den Kindern, die nicht mehr bei Ihnen sind?

Selbstverständlich. Aus einigen von ihnen sind Führungskräfte dieses Landes geworden. Darauf bin ich stolz, denn ich sage mir, dass mein Schweiß wenigstens Früchte getragen hat. Die anderen haben durchschnittliche Jobs: Lehrer, Krankenschwestern, Professoren, Polizisten, Gendarmen, … Es ist sehr unterschiedlich.

Sind Sie politisch engagiert?

Politisch ist zu viel gesagt. Ich nehme nur meine Pflicht als Wählerin wahr.

Welche afrikanische Frau ist ihr Vorbild?

Ich würde sagen, meine Mutter. Denn meine Mutter war auch eine sehr aufgeschlossene Frau. Und sie hat wirklich an der Seite ihres Mannes gekämpft. Alles, was in der bäuerlichen Familie zu tun war, hat meine Mutter gemacht. Wir waren acht Kinder in einem kleinen Dorf, in dem es keine Schule gab. Alles basierte auf Tierhaltung und Ackerbau. Meine Mutter war eine sehr mutige, sehr aufgeschlossene und sehr freundliche Frau. Ich versuchte, sie nachzueifern; Das konnte ich nicht in allen Bereichen tun, aber ich versuchte, es ihr gleich zu tun.

Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben?

Als Ratschlag kann ich sagen: Man braucht Mut in allem, was man tut und dabei alles geben. Arbeit lohnt sich immer. Es gibt keine andere Sache, die sich mehr lohnt als Arbeit. Wenn man also einen bestimmten Weg wählt, muss man ihn mit Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit gehen. Egal wie schwer es ist, sollte man sich sagen: „wenn ich es will, dann kann ich es auch.“ Man muss es wollen, um es auch zu können. Lassen Sie sich bei allen Schwierigkeiten nicht entmutigen. Wenn Sie einen Rat brauchen, scheuen Sie sich nicht, ihn zu erbitten.

Ich danke Ihnen im Namen des Vereins Meine Welt für Ihr Engagement. Ich danke Ihnen auch im Namen dieser Kinder und ihrer Eltern, Eltern, die Sie auch indirekt über ihre Kinder begleiten.

Auch ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen. Ich wünsche Ihnen auch viel Mut bei Ihren Aktivitäten.